Regioinfo-Medizin.ch, Februar 2008

Wenn Angst zur Krankheit wird

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Angststörungen gehören zu den häufigsten psychischen Erkrankungen. Ungefähr jeder Fünfte ist im Laufe seines Lebens von einer behandlungsbedürftigen Angststörung betroffen. Oft sind Angststörungen mit weiteren psychischen Störungen verbunden, vor allem mit Depressionen und Suchtmittelabhängigkeit bzw. -missbrauch.

Frauen sind häufiger von Angststörungen betroffen als Männer. Oft dauert es mehrere Jahre, bis die richtige Diagnose gestellt wird und die Betroffenen eine wirkungsvolle Behandlung bekommen. Das hängt namentlich damit zusammen, dass Angststörungen auch ausgeprägte körperliche Symptome verursachen, die dann fälschlicherweise als Zeichen einer körperlichen Krankheit gedeutet, abgeklärt und entsprechend behandelt werden.

Was ist eine Angststörung?

Angst ist zunächst eine normale Reaktion auf konkrete, reale Gefahren, also ein (lebens-)wichtiger Schutz. Eine Angststörung liegt vor, wenn sich die Angst auf Situationen oder Dinge bezieht, die real nicht wirklich gefährlich sind oder die vom überwiegenden Teil der Mitmenschen als nicht gefährlich beurteilt werden. Beispiele sind die Angst vor dem Zugfahren, die Angst vor geschlossenen Räumen (Kino, Restaurant, Lift), die Angst vor grossen Plätzen, die Angst vor grösseren Menschenmengen oder die Angst vor bestimmten Objekten (Mäuse, Hunde, Spinnen). Auch ein permanentes Besorgtsein um ganze Lebensbereiche, um das eigene Wohlergehen oder dasjenige anderer, gehört zu den Angststörungen.

Welches sind die Anzeichen einer Angststörung?

«Gesunde» Angst wie auch Angststörungen haben in der Regel drei Anteile:

  • Körper Atemprobleme, Herzklopfen, Druckgefühle im Brust- und Bauchraum, Schwitzen, Zittern, Schwindel.
  • Gedanken Alarmierende Gedanken («Achtung!») wie zum Beispiel die Idee, die Kontrolle über sich selber zu verlieren, den Verstand zu verlieren, einen Herzschlag zu erleiden, ohnmächtig zu werden.
  • Verhalten Fliehen aus der vermeintlich gefährlichen Situation, Vermeiden der angstauslösenden Situation, Erstarren oder (eher selten) Aggressivität und Kampfbereitschaft.

Die beschriebenen Symptome führen bei den Angststörungen dazu, dass Betroffene in ihrer konkreten Bewegungsfreiheit eingeschränkt werden. Sie richten ihre Aufmerksamkeit zunehmend auf die Frage, ob eine Situation «gefährlich» sein könnte und darum vermieden werden muss. Oder sie versuchen im Voraus, alle eventuell eintretenden «Gefahren» zu erkennen und entsprechende Sicherheitsmassnahmen vorzubereiten. Dadurch wird spontanes, flexibles Handeln zunehmend schwierig oder unmöglich. Nicht selten geraten Angstpatientinnen und –patienten schliesslich in einen Zustand, in dem sie sich nur noch in ganz engen Bahnen bewegen oder einen als sicher erlebten Ort (z.B. die eigene Wohnung) überhaupt nicht mehr verlassen können.

Die unterschiedlichen Formen einer Angststörung

  • Die Panikstörung Anfallsartige, schwere Angst; sie kommt «aus heiterem Himmel».
  • Generalisierte Angststörung Anhaltende Angst, die viele Lebensbereiche betrifft, ständiges Besorgtsein.
  • Einfache Phobien Angst vor bestimmten Dingen wie etwa Hunden, Schlangen, Mäusen. Angst vor engen oder geschlossenen Räumen.
  • Agoraphobie Angst vor grossen Plätzen, vor weiten grossen Räumen, die sogenannte Platzangst.
  • Soziale Phobie Angst in sozialen Situationen, vor negativer Bewertung durch andere.

Können Angststörungen erfolgreich behandelt werden?

Ja, bei etwa 70 bis 80 Prozent der Betroffenen können bedeutende und dauerhafte Besserungen erzielt werden. Am wirksamsten ist eine Behandlung, in der sowohl an den Gedanken wie auch am Verhalten der Betroffenen gearbeitet wird (z.B. die kognitive Verhaltenstherapie). Zentral ist, dass die Patientinnen und Patienten ihre persönlichen Angstsituationen wieder aufsuchen, sie zutreffender einschätzen und dabei erleben, dass ihnen real nichts Schlimmes passiert. Atem- und Entspannungstechniken sind eine wichtige Ergänzung. Die Betroffenen lernen dadurch, die körperlichen Symptome der Angst selbst zu reduzieren und damit zu bewältigen. In sachgerechter Weise eingesetzt, können auch Medikamente hilfreich sein.

Die Privatklinik Wyss AG

Die Klinik bietet eine stationäre und ambulante Gruppentherapie für Patientinnen und Patienten mit Angststörungen an. Dabei kommen die kognitive Verhaltenstherapie und Körpertherapie zur Anwendung. Ergänzt werden diese beiden Therapien durch Mal- und Musiktherapie, die einen kreativen Zugang zur Angst und deren Bewältigung bieten.

Die Privatklinik Wyss AG

Seit 1845 betreut die Privatklinik Wyss psychisch erkrankte Menschen. Ihr sozialpsychiatrisches Therapieangebot war für die damalige Zeit bahnbrechend: Neben individuell abgestimmten Behandlungen umfasste es die Teilintegration der psychisch Kranken in landwirtschaftlichen

Betrieben und ihre familiäre Betreuung im Wohnbereich. 1940–1970 wurde die Klinik unter der ärztlichen Leitung von Dr. med. Paul Plattner weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt. Seine wegweisenden Ideen trugen massgeblich dazu bei, dass sich der mittlerweile allgemein anerkannte biopsychosoziale Ansatz in der schweizerischen Psychiatrie durchsetzen konnte. Die Privatklinik Wyss hat mit der Entwicklung der Psychiatrie stets Schritt gehalten und präsentiert sich heute als moderne psychiatrische Institution mit hohen Qualitätsstandards. Seit 1995 wurden mehrere Um- und Neubauprojekte realisiert, um für die Behandlung der Patientinnen und Patienten optimale Rahmenbedingungen zu schaffen.

Ambulanter Psychiatrischer Dienst an der Klinik Linde, Biel

Um eine hohe Betreuungskontinuität bieten zu können, hat die traditionsreiche Privatklinik Wyss in den vergangenen Jahren systematisch ihr nicht-stationäres Angebot ausgebaut. Der vorerst letzte Schritt war dabei die Eröffnung eines ambulanten Dienstes an der Klinik Linde in Biel. Seit April 2007 bietet ein kompetentes Team, bestehend aus Ärzten und Psychologen, Personen mit unterschiedlichen psychischen Belastungen Unterstützung an. Der Schwerpunkt der therapeutischen Leistungen liegt dabei grundsätzlich auf Einzel-, Paar- und Familientherapien, neuerdings sind aber auch Gruppentherapien möglich. Im Selbstsicherheitstraining beispielsweise können sich die Teilnehmenden Verhaltensweisen aneignen, mit denen sie sich im Umgang mit anderen Menschen wohler, sicherer fühlen. Zur Förderung der Entspannung, Stressreduktion und Ressourcenaktivierung gibt es zudem Angebote zu «Progressiver Muskelentspannung » und «Experimentieren mit Klang und Stimme». Ein weiterer Ausbau des Angebots an Gruppentherapien ist für das laufende Jahr geplant.

 

Psychiatrischer Dienst der Privatklinik

Wyss AG an der Privatklinik Linde

Dählenweg 6

2503 Biel

Tel. 032 365 96 70

info@privatklinik-wyss.ch

 

Zur Autorin:

Dorothee Schmid

Lic. phil., Bereichsleiterin Fachtherapeutische Dienste und Leiterin der

Gruppenprogramme für Angst- und Zwangsstörungen

Privatklinik Wyss AG

Fellenbergstrasse 34

3053 Münchenbuchsee

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Fax 031 868 34 00

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