Medizinaktuell, Ausgabe Frühling und Herbst 2014

Unzertrennlich

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Mit ihrem Angebot trägt die Privatklinik Wyss der Unzertrennlichkeit von Seele und Körper ihrer Patienten gezielt Sorge.

Was hat die Psychiatrie mit dem Körper zu schaffen? Die folgenreiche Teilung des Menschen in einen see­lischen und einen körperlichen Bereich wird nach wie vor dem Philosophen René Descartes (1596–1650) an­gelastet. Allerdings scheint sie sich bisweilen im heute verbreiteten Begriff der Psychosomatik fortzusetzen: Psychisches soll Körperliches bewirken und verursachen. Zutreffender dürfte indes sein, dass Menschen immer nur gleichzeitig seelisch und körperlich reagieren, ja sein können – Seele und Körper als unzer­trennliches Paar in steter Wechselbeziehung und -wirkung. Mitarbeitende der Pri­vatklinik Wyss zeigen dies an drei Beispielen: Psychoonkologie – eine schwerwiegende Er­krankung nimmt den ganzen Menschen samt seiner Mitwelt in Anspruch; (Psycho-)Bariatrie beziehungs­weise Ess-und Gewichtsstörungen – die beiden Partner befinden sich im nachhaltigen, ungesunden Streit; Ohrakupunktur – eine an sich körperliche Intervention beeinflusst seelische Vorgänge. Auch in diesen drei Beispielen eröffnet die Psychiatrie einen integrierenden Zugang zu den beiden nur scheinbar geteilten Bereichen.
Peter Zingg, Ärztlicher Direktor

Psychoonkologie
Was haben Tumorerkrankungen und Psychiatrie miteinander zu tun? Onkologie ist die Lehre der Tumorerkrankungen, Psychiatrie beschäftigt sich mit psychischen Störungen. «Ich habe Krebs und bin doch nicht psychisch krank. Was soll das?» Krebserkrankungen und deren Behandlungen führen zu weitreichenden physischen, psychischen und sozialen Belastungen. Niemand wird alleine krank: Betroffene und ihre Angehörigen durchleben gemeinsam den Moment der Diagnosestellung, den Beginn und Verlauf der Behandlung: Operation, Chemotherapie, Bestrahlung, wiederkehrende Untersuchungen, Kontrollen und Therapiestopp. Nichts ist mehr, wie es einmal war.

In Abhängigkeit vom Verlauf der Erkrankung führt dies zu lebenseinschneidenden Veränderungen. Angst, Hilflosigkeit und Ohnmacht, die zur Verunsicherung beitragen, belasten Erkrankte wie Angehörige. Die Herausforderung, sich den neuen Situationen anpassen zu müssen, kann zu reaktiven depressiven Entwicklungen, Angst oder Traumafolgestörungen führen. Stützend, klärend können Psychoonkologen Gesprächspartner für Patienten und ihre Familie sein. Dies kann von einer einmaligen Beratung über Psy­chotherapie bis zur Begleitung ans Lebensende reichen. Die Kenntnisse von Psychologie und Psychiatrie bieten dafür die Grundlage.

Die Privatklinik Wyss AG bietet Einzel-, Paar-und Familienberatungen/-therapien durch psychoonkologisch spezialisierte Ärzte und Psychologen an. Eine stationäre Behandlung ist bei gleichzeitigen psychischen Störungen möglich. Weitere Angebote: Gruppe für Patienten und Patientinnen mit Angst und Krebs; Konsiliar-und Liaisondienste für andere Kliniken, Supervision/Intervision für Ärzte und Pflegende; mit dem Onkologischen Zentrum der Klinik Engeried in Bern besteht ein Kooperationsvertrag für stationäre wie ambulante Patientinnen und Patienten.

«Paartherapie»
«Körper und Seele brauchen einander wie Mann und Frau», heisst es im Alten Testament. Bei Menschen mit Essstörungen finden wir das Paar in Trennung vor. Die Seele, enttäuscht vom Unvermögen des Körpers, ihren Ansprüchen bezüglich Schönheit oder Funktionstüchtigkeit zu genügen, geht auf Distanz. Ebenso der Körper, erschöpft und krank von den dauernden Nörgeleien, Bevormundungen und Zwängen der Seele. Bei Essstörungen ignoriert die Seele den Körper zunehmend, sie schaut ihn nicht mehr an (ein Beispiel: Vermeiden des Spiegelbilds) und kann ihn in der Folge nicht mehr gut einschätzen. (Bei einer sogenannten Körperschemastörung, die häufig auftritt, wird der eigene Körper falsch, beispielsweise dicker oder dünner als tatsächlich, wahrgenommen). Stattdessen schaut sich die Seele nach anderen, besseren um. Da muss sie nicht weit suchen, denn das Schönheitsideal wird ja inzwischen überall präsentiert.

Bei solchen verhärteten Fronten ist es typisch, dass nicht mehr miteinander gesprochen wird. Die Äusse­rungen des Körpers dringen nicht mehr so gut bis zur Seele vor, sodass Menschen mit Essstörungen zum Beispiel in unbequemen Positionen verharren, ohne das Unbehagen wahrzunehmen. Umgekehrt lässt sich der Körper von der Seele nichts mehr sagen, nimmt sich das und so viel, worauf er Lust hat, ungeachtet aller Vernunftargumente der Seele. Gelingt es einem von beiden Partnern, im Konflikt zeitweilig zu dominieren, mündet das in einen vom strengen Geist geknechteten Körper, der dann zwar aufgestylt, aber doch nur eine leere Hülle ist und keine wahre Schönheit ausstrahlt, oder in eine vom gierigen Körper aufgefressene und lahmgelegte Seele.

Wenn die beiden eingesehen haben, dass sie nicht ohne einander glücklich werden können, dann können wir in unserer Klinik Hilfe in Form einer «Paartherapie für Körper und Seele» bieten. Körper und Seele lernen dann, sich gegenseitig zuzuhören, voneinander zu lernen, sich Zuwendung zu schenken, sich gegenseitig mit den jeweiligen Grenzen zu akzeptieren und sich gegenseitig Raum zu lassen. Der Kompetenzbereich Essstörungen der Privatklinik Wyss bietet ambulante Abklärungen, Beratungen und Therapien für Menschen mit Essstörungen, Störungen des Essverhaltens, psychischen Problemen bei Übergewicht und psychischen Aspekten bei Adipositaschirurgie.

 

Ohrakupunktur
Die Privatklinik Wyss stellt Patientinnen und Patienten, welche sich stationär behandeln lassen, ein zusätzliches Therapieangebot zur Verfügung: die Ohrakupunktur. Dabei handelt es sich um eine komplementäre Behandlungsform, die ein standardisiertes Verfahren der Akupunkturbehandlung bezeichnet und ein Element der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) darstellt. Diese Form der Ohraku­punktur wird bereits seit den 1970er-Jahren erfolgreich in der Behandlung von Abhängigkeitserkrankungen eingesetzt. Erfahrungsgemäss können unangenehme Entzugssymptome gelindert oder der Suchtdruck ge­mildert werden. Zudem leistet die regelmässige Akupunktur einen Beitrag zur Rückfallprophylaxe und zur Stabilisierung. Im Allgemeinen erzielt die Ohrakupunktur eine stressmindernde, entspannende und angstlösende Wirkung, von der auch Patientinnen und Patienten profitieren können, die unter Stressfolge-oder Angsterkrankungen leiden.

Grundsätzlich kann diese Art der Akupunktur Menschen empfohlen werden, die erheblich unter Stress, ständiger Belastung, Schlafstörungen oder starker innerer Unruhe leiden. Die Teilnahme an der wöchentli­chen Ohrakupunktur ergänzt die störungsspezifischen Gruppenangebote der Privatklinik Wyss AG. Die Sit­zungen sind in Gruppensettings angelegt und werden in einer ruhigen Atmosphäre mit einer Dauer zwischen 30 und 45 Minuten von zertifizierten Pflegefachpersonen mit Zusatzausbildung durchgeführt. An beiden Ohrmuscheln werden an jeweils fünf standardisierten Punkten fünf sehr feine Akupunkturnadeln gesetzt. Anschliessend werden die Teilnehmenden gebeten, in einer aktiven Ruheposition sitzen zu bleiben und zu versuchen, ihre Aussenwelt für einen Moment auszublenden. Die Akupunktur unterstützt bei der bewussten Entspannung, sie stärkt die inneren Selbstheilungskräfte und kann Störungen im Wohlbefinden regulieren.

Privatklinik Wyss AG Münchenbuchsee
Mit dem Gründungsjahr 1845 ist die Privatklinik Wyss die älteste psychiatrische Privatklinik der Schweiz und in sechster Generation im Privatbesitz der Gründerfamilie. Sie ist Mitglied der Swiss Leading Hospitals und verfügt seit 2012 über einen Leistungsauftrag des Kantons Bern. Sie ist eine renommierte Fachklinik für Psychiatrie und Psychotherapie mit stationären, teilstationären und ambulanten Behandlungsangeboten an den drei Standorten Bern, Biel und Münchenbuchsee. Sie beschäftigt 280 Mitarbeitende. Die therapeu­tischen Konzepte der Klinik sind auf Kriseninterventionsbehandlung in diagnoseorientierten Einzel-oder Gruppentherapien ausgerichtet. Schwerpunktmässig werden Patientinnen und Patienten mit Krankheitsbil­dern wie Depressionen, Persönlichkeitsstörungen, Angst-, Zwangs-und Abhängigkeitserkrankungen be­handelt.

Kontakt:
Privatklinik Wyss AGFellenbergstrasse 34, 3053 Münchenbuchsee
Tel. 031 868 33 33
info@privatklinik-wyss.ch
www.privatklinik-wyss.ch

Die Autoren

Peter Zingg, Ärztlicher Direktor

Dorothea Ferrari-Franke, Oberärztin, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie FMH Psychoonkologie

Susan Fischer, Leiterin Pflegeentwicklung, MScN Ohrakupunktur

Verena Jaggi, Lic. phil. Fachpsychologin für Psychotherapie FSP Psychobariatrie und Essstörungen