SBK FH, 2010

Wilhelmina Zwemer

«Die Bachelors sind fit für die Praxis»

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Ob die Integration von Bachelor-Absolventinnen in die Praxis gelingt, hänge ganz entscheidend von der Führung ab, sagt Wilhelmina Zwemer, Pflegedirektorin der psychiatrischen Privatklinik Wyss.

Krankenpflege: Frau Zwemer, Sie haben erste Erfahrungen mit Bachelor-Studierenden gemacht. Was macht den Unterschied zwischen FH und HF-Absolventinnen aus?

Wilhelmina Zwemer: Sowohl FH wie die HF-Abgänger müssen zuerst zwei bis drei Jahre Erfahrung «am Bett» holen und sich in ihrem Fachbereich vertiefen. Aber ich merke, dass die Bachelors fitter sind, wenn es um das wissenschaftliche Arbeiten und vernetzte Denken geht.

Wie äussert sich das konkret?

Bei schwierigen Themen haben sie weniger Probleme, entsprechende Studien zu finden. Vor 20 Jahren hat man den Arzt gefragt, wenn ein Problem aufgetaucht ist. Heute finden die gut ausgebildeten Pflegenden selber evidenzbasierte Lösungen.

Wie integrieren Sie die neuen Bachelors in die bestehenden Teams?

Ich habe ein breites Spektrum von Pflegenden – darunter auch viele erfahrene Pflegefachfrauen mit einer altrechtlichen Psychiatriepflegeausbildung. Wenn es gelingt, die verschiedenen Kategorien gut zusammenzubringen, gewinnen beide. Die neuen Bachelors profitieren von der Berufserfahrung der andern. Die Bisherigen können von den Bachelors lernen, wie man korrekte Pflegediagnosen erstellt oder aktuelle Studien einbezieht.

Funktioniert dieser Austausch tatsächlich?

Ob es gelingt oder nicht, steht und fällt mit den Abteilungsleitungen. Da ist die Führung der Teams gefragt.

Könnten Sie sich auch vorstellen, ausschliesslich Pflegefachpersonen mit einem Bachelor-Abschluss anzustellen?

Nein, der Mix ist mir wichtig. In einem Team kann ich jeweils nur einer Person Zusatzaufgaben wie Fallbesprechungen, Internetrecherchen oder die Bearbeitung von Fachliteratur zuteilen – also ähnliche Aufgaben, wie sie die bisherigen Pflegeexpertinnen erfüllen. Die Privatklinik Wyss mit 90 Betten im bernischen Münchenbuchsee bietet stationäre, teilstationäre und ambulante Behandlung und Pflege von Patientinnen und Patienten an, die unter einer psychischen Krise oder Erkrankung leiden.