FBG Frequenz MT Jan Fischer

Als PDF zum Download

Master of Science in Pflege: Persönlicher Rückblick einer Absolvierenden

Im Februar 2012 haben die ersten Absolventinnen den Master of Science in Pflege erlangt. Susan Fischer ist eine von ihnen und berichtet, welche Erfahrungen sie mit dem Studium im Fachbereich Gesundheit an der Berner Fachhochschule und beim Einstieg in den Berufsalltag gemacht hat.

Interview: Rea-Simone Fahrni

Frau Fischer, warum haben Sie sich für den Studiengang Master of Science in Pflege an der Berner Fachhochschule entschieden?
Ich habe bereits den Bachelor of Science in Pflege berufsbegleitend an der Berner Fachhochschule (BFH) absolviert. Je näher der Abschluss kam, desto mehr merkte ich, dass ich eine berufliche Herausforderung suche, die einen konsekutiven Masterabschluss voraussetzt, z. B. Pflegeexpertin oder eine Funktion in der Pflegeentwicklung.

War es für Sie klar, den Master of Science in Pflege und keine Spezialisierung im Rahmen eines Weiterbildungsstudiengangs zu absolvieren?
Ein Master of Advanced Studies (MAS) war für mich weniger eine Option, weil ich mich breiter vertiefen wollte und mir auch im Hinblick auf Pflegeforschung mehr Erfahrungen und Kenntnisse aneignen wollte. Mir brachte der Master of Science (MSc) in Pflege mehr Perspektiven bzw. Möglichkeiten als ein MAS-Studiengang in einem speziellen Fachgebiet. Der Master of Science in Pflege wird in Kooperation der drei Fachhochschulen Bern, St.Gallen und Zürich angeboten, wobei jeder Standort auf eine andere Vertiefungsrichtung fokussiert.

Welche Rolle haben die Vertiefungsrichtungen der BFH bei Ihrer Wahl des Studienstandorts gespielt?
Die Berner Vertiefungsrichtungen «Gesundheitsförderung/Prävention und psychosoziale Gesundheit» sowie «Wirkungsorientierung/Wirtschaftlichkeit in der Pflege» haben mich von meinem Hintergrund her interessiert – ich bin seit bald zwölf Jahren in der Psychiatrie tätig. Zudem ist Wirkungsorientierung in der Pflege das Thema schlechthin, die anderen Standorte legen ihren Fokus weniger darauf. Es waren aber auch ganz pragmatische Gründe, die mich bewegt haben, in Bern zu studieren, z. B. die Nähe zu meinem Wohnort, die Dozierenden sowie die BFH, die mir bereits vom Bachelorstudium her bekannt waren.

Sie arbeiten seit ca. einem Jahr als Leiterin der Pflegeentwicklung in der Privatklinik Wyss. Wovon konnten Sie im Studium speziell profitieren bzw. was nützt es Ihnen heute im Berufsleben?
Das Hintergrundwissen, das ich nun habe, ist sehr hilfreich. Die Inhalte aus dem Masterstudium sind für mich wunderbare Ressourcen. Weiter sind gewisse Blickwinkel vorhanden, die ich im Studium erworben habe, wie z. B. ethische Fragestellungen. Nicht zuletzt kann ich auch vom ganzen Hintergrund des wissenschaftlichen Arbeitens profitieren, das mir z. B. geholfen hat, noch besser hinter meinen Aussagen und Handlungen stehen zu können. Generell hat sich meine Perspektive verändert. Je mehr man sich mit der Forschung auseinandersetzt, desto mehr gewinnt man den Zugang dazu und erkennt deren Nutzen: Die Praxis kann von der Forschung profitieren, da diese Themen bearbeitet, die Institutionen aus dem Gesundheitswesen aus zeitlichen Gründen gar nicht erarbeiten können. Gerade für meine jetzige Stelle, wo ich mit einer Fachgruppe anschaue, wie evidenzbasierte Pflege umgesetzt werden kann, ist dieses Wissen hilfreich.

Welche Kompetenzen sind zentral für Ihren Verantwortungsbereich?
Kommunikative Kompetenzen in der Zusammenarbeit mit der Leitung, den Abteilungen und disziplinübergreifend mit Ärzten, Psychologen etc. sind das A und O. Weiter ist es wichtig, die Schnittstellen gut zu managen sowie interdisziplinäre Fortbildungen organisieren zu können. Das Zuhören und empathische Reagieren sind zentral, um herauszufinden, welche Bedürfnisse und Anliegen vorhanden sind.

Sie gehören zu den ersten Absolvierenden des Master of Science in Pflege. Auf welche Schwierigkeiten sind Sie in der Praxis gestossen?
Die Meinungen waren sehr unterschiedlich – von Motivation über Skepsis bis hin zu Desinteresse. Der Masterabschluss war bei meiner Stelle eine Voraussetzung. Der Leitungsebene war somit klar, was Masterabsolvierende mitbringen sollten. Trotzdem war es neu, da sie zuvor noch niemanden mit Masterabschluss angestellt hatten.

Wie war die Reaktion im Team bzw. in der Basis?
In der Anfangszeit war auf der einen Seite Neugierde, Spannung und auf der anderen Seite eine gewisse Skepsis. Ich muss aber sagen, dass man mich dies kaum hat spüren lassen. Ich bin von Anfang an aktiv auf die Personen zugegangen, bin in die Teams reingegangen, habe an Rapporten teilgenommen, habe gefragt, ob ich an Teamsitzungen anwesend sein darf etc. Dies einerseits, um zu spüren, was die aktuellen Sorgen und Themen sind, andererseits, um mit den Personen in Kontakt zu kommen. Ich habe auch Hand geboten, dass alle mich jederzeit anrufen können, wenn sie Unterstützung brauchen. Wenn man eine neue Stelle antritt, ist es wichtig, das Ganze proaktiv anzugehen und zu zeigen, dass wir den gleichen Weg gemacht haben, nur mit dem Unterschied, dass ich in der Ausbildung noch etwas weiter gegangen bin. Wir haben aber alle gleich angefangen, und ich bin eine von ihnen. Das ist jeweils ganz klar meine Botschaft.

Was sind Ihres Erachtens die zentralen Punkte des Master of Science in Pflege?
Die Möglichkeiten des Masterabschlusses Pflege sind sehr vielfältig. Es liegt an jeder einzelnen absolvierenden Person, etwas daraus zu machen und die Chancen zu nutzen, die sich bieten. Im Masterstudium ist das Handwerkszeug, das man mitbekommt, zentral. Man kommt mit einem Rucksack voller Tools, Wissen und Kompetenzen heraus. Dann folgt ein Prozess, was man mit den Inhalten des Rucksacks macht. Dass es bei mir so schnell ging, war ein Glücksfall.

Haben Sie Empfehlungen für zukünftige Studierende des Master of Science in Pflege?
Man muss sich bewusst sein, dass während der Zeit des Studiums auf gewisse Dinge verzichtet werden muss, sei dies hinsichtlich Hobbies oder Privatleben etc. Wichtig ist die Fähigkeit, die eigene Zeit einzuteilen und Prioritäten zu setzen, ohne dass man irgendwo auf der Strecke bleibt. Die Auseinandersetzung im Vorfeld mit Alltäglichem wie z. B. dem Budget während des gesamten Studiums ist zentral. Entscheidend ist auch, sich darauf einzustellen, dass einem nicht alles auf dem Silbertablett serviert wird, sondern dass viel selber geleistet werden muss. Dabei ist «Mut zur Lücke» ausschlaggebend. Dies ist noch heute mein Leitsatz.

Welches sind Ihre Ziele und Wünsche für die nächsten fünf Jahre?
Ich möchte mich hier in meiner Stelle weiterentwickeln, gut einleben, die evidenzbasierte Pflege mit der Fachgruppe auf einen guten Weg bringen und in dieser Hinsicht einen Grundstein legen. Ich bin mehr als zufrieden mit meiner Situation und glücklich darüber, diese Chance erhalten zu haben. Eventuell werde ich irgendwann mal doktorieren, aber das muss nicht unbedingt in den nächsten fünf Jahren sein.

Gibt es noch etwas, was Sie (potenziellen) Masterstudierenden zum Abschluss mitgeben möchten?
Ich möchte zukünftigen potenziellen Masterstudierenden Pflege Mut machen. Ich würde das Studium auf jeden Fall weiterempfehlen. Durch diesen Abschluss sind so viele Türen aufgegangen. Mit dem Studieren alleine ist es jedoch nicht getan, man muss die Chancen und Möglichkeiten auch nutzen. Das Masterstudium liefert das Rüstzeug, aber die Umsetzung der Inhalte muss selber gelernt werden. Dies geschieht in der Praxis bzw. im Berufsalltag. Mein Tipp: Im Team zuhören, wo der Schuh drückt, und wenn man als Masterabsolvierende anfängt, die Fähigkeit haben, auch in der zweiten Reihe stehen zu können.

www.gesundheit.bfh.ch/master

Susan Fischer hat an der Berner Fachhochschule den Master of Science in Pflege abgeschlossen und ist heute Leiterin Pflegeentwicklung an der Privatklinik Wyss AG in Münchenbuchsee.