Chronische Müdigkeit, Burnout, Depression: Modediagnosen oder ernsthafte Erkrankungen?

Editorial von Dr. med. Franz Caduff, Chefarzt Privatklinik Wyss

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Wir alle kennen sie, die schlechten Tage. Man fühlt sich lustlos, erschöpft, steckt voller Selbstzweifel und kann sich zu nichts aufraffen. Schlafstörungen stellen sich ein, Gereiztheit und körperliches Unwohlsein. Glücklicherweise gehen solche Phasen meist nach einiger Zeit vorbei und das Leben erscheint wieder in einem besseren Licht. Was jedoch, wenn die «bleierne Zeit» nicht weichen will, die Gedanken ständig um Sorgen und Ängste kreisen, sich keine Freude und Lebensenergie mehr zeigt? Handelt es sich um eine Frage des Willens? Oder steckt eine körperliche Erkrankung dahinter? Fragen über Fragen, und häufig wenig Antworten.

Nicht jedes psychische Unwohlsein bedeutet eine ernsthafte Erkrankung. Dauert die Missstimmung aber mehr als zwei Wochen an, wird die Arbeitsfähigkeit oder das Ausüben der gewohnten Rollen in Beziehung, Familie und Freizeit beeinträchtigt und stellen sich zusätzliche Symptome wie Lebensüberdruss ein, so kann sich dahinter ein Burnout oder eine Depression verbergen. Depressionen kommen häufig vor und können prinzipiell jeden Menschen in jedem Lebensalter treffen. Dabei gibt es Häufungen bei bestimmten Bevölkerungsgruppen und in belastenden Lebenssituationen. Überdurchschnittlich oft treten Depressionen bei Frauen, nach schweren Verlusten und in der Folge von körperlichen Erkrankungen (z. B. hormonelle Störungen) auf. Laut Schätzungen leiden ca. 5% der Bevölkerung an schweren Depressionen, weitere 25% erkranken zumindest einmal im Leben an einer leichteren Form einer depressiven Erkrankung. Zudem nimmt die Häufigkeit von Depressionen weltweit zu, gemäss Prognosen der WHO werden die depressiven Erkrankungen im Jahre 2020 zu den häufigsten Krankheitsbildern überhaupt gehören. Depressionen sind nicht einfach «Schicksal», sondern diagnostizierbare und behandelbare Erkrankungen, die Körper, Geist und Seele betreffen. Betroffene wenden sich zumeist an den Hausarzt, der erste Abklärungen und Behandlungen einleitet. Ist eine spezialisierte Behandlung nötig, erfolgt diese bei niedergelassenen Psychiatern und Psychologen, in schwereren Fällen auch in einer Klinik. Die Behandlung besteht in der Regel aus Psychotherapie, kombiniert mit einem Medikament. Psychopharmaka regulieren den bei Depressiven gestörten Gehirnstoffwechsel und führen zu einer raschen Linderung der Symptome. In der Psychotherapie lernen Betroffene mögliche Auslöser der Depression kennen und entwickeln neue Strategien, um besser mit Problemen umzugehen. Die Privatklinik Wyss verfügt über langjährige Erfahrungen in der Behandlung depressiver Menschen. Unsere Therapieangebote sowohl im ambulanten als auch teilstationären (Tagesklinik) und stationären Bereich sind gut ausgebaut. In vielen Fällen ermöglichen sie einen Ausweg aus der Depression.

Burnout als Folge einer persönlichen Energiekrise.

Die Stressbelastungen haben in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Immer höhere Leistungsanforderungen, steigende Lebenshaltungskosten bei gleichzeitiger Angst um den Arbeitsplatz setzen viele Menschen unter Druck.

Auf dem Schreibtisch stapeln sich die Aufträge. Überstunden sind die Regel, eigene Bedürfnisse treten in den Hintergrund. Das Leben gerät aus dem Gleichgewicht. Es folgen erste Symptome wie Kopfschmerzen, Konzentrations- oder Gedächtnisstörungen, Rückenschmerzen und Schlafprobleme. Statt sich eine Pause zu gönnen, erhöhen die Betroffenen den Leistungsdruck noch mehr. Irgendwann ist die Batterie leer, die Energie aufgebraucht – Burnout.

Wie entsteht ein Burnout-Syndrom?

Menschen haben eine grundlegende Motivation, für sie wertvolle Ressourcen zu erhalten. Unterschiedliche Arten von Ressourcen spielen dabei eine Rolle: das Zuhause, Einkommen, Selbstwertgefühl, Wertschätzung, soziale Unterstützung, aber auch körperliche und mentale Gesundheit. Erleben Personen einen Verlust an Ressourcen oder sind diese gefährdet, entsteht Stress. Ebenso entsteht Stress, wenn Menschen Ressourcen nach erheblichen Investitionen nicht wieder

auffüllen. Der aus dem Englischen stammende Begriff «Burnout» beschreibt den Zustand emotionaler, psychischer und körperlicher Erschöpfung als Folge chronischer Überlastung durch Stress. Die Reaktionen auf ein Burnout sind unterschiedlich. Wer die Verantwortung hauptsächlich bei sich selbst sucht, reagiert im Falle eines Burnout oft depressiv. Menschen, die lieber austeilen als einstecken, werden die Schuld eher bei den Umständen oder bei Anderen suchen. Leiden sie an einem Burnout, reagieren sie häufig nörgelnd und pessimistisch, behindern Veränderungen und sind chronisch gereizt.

Wie wird ein Burnout behandelt?

Die Behandlung eines Burnout sollte durch eine Fachperson erfolgen und individuell auf den Patienten abgestimmt werden. Burnout-Betroffene müssen vorerst einmal wieder zur Besinnung kommen. Dazu kann es hilfreich sein, für eine Weile aus dem angestammten Umfeld zu treten. Der Betroffene soll die Möglichkeit haben, vermehrt auf sich selbst zu achten, zu sich zu finden und sich zu fragen: «Was will ich eigentlich?» Dies schafft die Voraussetzungen dafür, dass sich die «Batterien» wieder mit Energie füllen können. Ihre Lust auf das Leben neben der Arbeit wieder zu entdecken, ist für viele ein wichtiges Ziel. Achtsamkeit und körperliche Sensibilität sind geeignete Mittel, drohende Überforderung frühzeitig zu erkennen und zu verhindern. Körperliche Symptome wie Müdigkeit, Energielosigkeit oder Verspannung, die den Burnout-Prozess begleiten, können dadurch rechtzeitig wahrgenommen werden. Sport (keine Wettkämpfe!), Entspannung, Meditation, aber auch Gartenarbeit oder lange Spaziergänge sind wichtig, denn Bewegung sorgt für körperliche Müdigkeit und guten Schlaf. Häufig kreisen die Gedanken der Betroffenen ständig um die gleichen, problematischen Themen. Eine professionelle Psychotherapie kann helfen, sich aus diesem Kreislauf zu lösen. Der Betroffene lernt, hilfreichere Gedanken zu entwickeln und Nein zu sagen. In einer zweiten Phase geht es darum, konkrete Verhaltensänderungen zu erreichen. Zu lernen, mit seiner Energie haushälterischer umzugehen, schafft die Voraussetzungen dafür, kein Burnout mehr zu erleiden.

«Ressourcenverlust führt zu Stress, chronischer Stress zu Burnout.»

«Ziel der Burnout-Therapie ist eine Veränderung des Denkens und des Verhaltens.»

Das Behandlungsangebot in der Privatklinik Wyss Depression

Über 50% der Patientinnen und Patienten, die in der Privatklinik Wyss behandelt werden, leiden unter einer depressiven Erkrankung. Die Klinik verfügt deshalb über sehr viel Erfahrung in der Behandlung von Depressionen. Statistische Auswertungen zeigen denn im Durchschnitt auch eine starke Verbesserung der Befindlichkeit während des Klinikaufenthaltes. Für die Depressionstherapie empfehlen wir eine Kombination aus Psychotherapie und – wenn nötig – medikamentöser Behandlung. Je nachdem, wie stark die Alltagsbewältigung eingeschränkt ist, kommen verschiedene Angebote der Klinik in Frage. In den meisten Fällen genügt eine ambulante Behandlung, die wir in unseren Psychiatrischen Diensten in Bern (Salem Spital) und Biel (Klinik Linde) anbieten. Bei ausgeprägter Belastung durch die Depression kann auch ein teilstationärer oder stationärer Aufenthalt angezeigt sein.

Burnout

Um den spezifischen Bedürfnissen von Burnout-Betroffenen gerecht zu werden, hat die Klinik ein umfassendes und auf das Störungsbild zugeschnittenes Therapieprogramm aufgebaut. Nebst Gruppentherapien stehen Stressmanagement und Entspannungstechniken im Vordergrund. Stationär wird das Burnout-Gruppenprogramm in der Privatklinik Wyss in Münchenbuchsee angeboten, zusätzlich besteht am Psychiatrischen Dienst der Privatklinik Wyss am Salem-Spital die Möglichkeit einer ambulanten Gruppentherapie.

Woran erkenne ich ein Burnout?

Symptome eines Burnout können in mehreren Bereichen auftreten:

Psyche:

psychische Erschöpfung, Niedergeschlagenheit, Traurigkeit, Angst, Nervosität

Körper:

chronische Müdigkeit, Schlafstörungen, Anspannung, sexuelle Störungen, Appetitlosigkeit

Motivation:

Verlust von Enthusiasmus, Enttäuschung, Resignation, Langeweile

Denken:

Konzentrationsstörungen, Gedächtnisstörungen, Entscheidungsschwierigkeiten, Selbstzweifel, Suizidgedanken

Verhalten:

Konflikte in der Beziehung, soziale Isolation, Zynismus, Substanzmissbrauch, Vernachlässigung von Freizeitaktivitäten.

Ein Burnout-Programm kann helfen:

Wege aus der persönlichen Energiekrise zu finden, mit Stress besser umzugehen, sich entschiedener abzugrenzen, ein Gleichgewicht zwischen Arbeit und Freizeit zu finden, leistungsfähig zu bleiben, zufriedener zu leben.