Psychosomatik – wenn nicht nur der Körper leidet

Editorial von Dr. med. Franz Caduff,

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Chefarzt Privatklinik Wyss

Vor nicht allzu langer Zeit wurde der Begriff «Psychosomatik» vor allem dann verwendet, wenn es galt, körperliche Erkrankungen mit seelischen Ursachen zu erklären. Die sogenannte «Krebspersönlichkeit» ist dafür ein bekanntes Beispiel.

Obwohl solche Erklärungsmodelle in gewissen Kreisen bis heute weiterverwendet werden, hat doch die Forschung unterdessen klar gezeigt, dass sie einer wissenschaftlichen Überprüfung nicht standhalten. Die «Krebspersönlichkeit» existiert nicht, zum Glück! Hingegen ist es eine allgemeine Lebenserfahrung, dass körperliche Erkrankungen immer mit seelischen Symptomen einhergehen; Schmerz, Unwohlsein, Angst, Ärger, innere Unruhe, aber auch Fantasien über die Ursache und Vermutungen bezüglich der Prognose der körperlichen Krankheit. Solche seelischen Symptome können so schwer sein, dass sie die eigentliche (körperliche) Krankheit in puncto Leidensdruck übertreffen und zu einer gesonderten Erkrankung werden, wie zum Beispiel eine Angststörung bei einer Karzinom-Patientin. Die Privatklinik Wyss verfügt über langjährige Erfahrungen in der Behandlung psychosomatisch erkrankter Menschen. Die Abklärungs- und Behandlungsangebote sind breit ausgebaut und zwar sowohl im ambulanten (Einzel- und Gruppentherapie, Liaisondienst in den onkologischen Kliniken in Bern und Biel), als auch im teilstationären und im stationären Bereich in Münchenbuchsee.

Krebs macht auch der Psyche zu schaffen

Krebs – eine Diagnose, die Angst macht! Die amerikanische Schriftstellerin Susan Sontag nannte ihn gar eine Metapher für Leiden, Sterben und Tod. Glücklicherweise gilt das heute nicht mehr.

Mit verbesserter Diagnostik und neuen Therapien werden mittlerweile viele Menschen geheilt oder können zumindest noch einige Jahre weiterleben. Geblieben ist die grosse Belastung für Betroffene und Angehörige. Oft leidet die Psyche erheblich unter der Situation. Die psychoonkologische Betreuung bietet deshalb während der Diagnostik und Therapie in allen Behandlungsstadien Unterstützung an. In den meisten Fällen bringt die Krebsdiagnose zahlreiche Ängste mit sich. Die Angst davor, dass Beschwerden wiederauftreten oder sich verschlimmern könnten, führt zu einer starken Belastung für den Patienten und dessen Umfeld. Die Erkrankung betrifft damit den Einzelnen, aber auch das soziale Umfeld – Partner, Kinder, Familie und Freunde. Die psychoonkologische Betreuung nutzt das Wissen der Psychologie und der Psychiatrie, um diese Menschen zu unterstützen und ihnen Orientierung zu bieten. Dabei stehen der Umgang mit Ängsten, Aufklärungsarbeit über Vorurteile und Vermittlung von Fertigkeiten im Umgang mit der neuen Lebenssituation im Zentrum. Manchmal heisst das auch, den Patienten und seine Angehörigen nach einem Behandlungsstopp weiterzubegleiten bis zum Tod. Nicht jeder direkt oder indirekt Betroffene will oder muss psychoonkologische Betreuung in Anspruch nehmen. Allein die Möglichkeit, sie im Notfall zur Verfügung zu haben, reicht vielen Menschen aus.

Um eine hohe Betreuungsqualität zu gewährleisten, ist die psychoonkologische Betreuung national und international organisiert und multidisziplinär verankert. In der Schweiz gibt es mit der Krebsliga und der Schweizer Gesellschaft für Psychoonkologie zwei öffentliche Stellen, welche Leitlinien wissenschaftlich erarbeiten und begründen. Diese dienen Patienten wie auch Behandelnden als Orientierungsrahmen.

Psychoonkologische Dienste

der Privatklinik Wyss

Die erfahrenen Therapeutinnen und Therapeuten der Privatklinik Wyss bieten ihre psychoonkologischen Dienste ambulant und stationär an. Ein ambulantes Angebot besteht in der Privatklinik Wyss in Münchenbuchsee sowie in den ambulanten Diensten der Privatklinik Wyss am Hirslanden Salem-Spital in Bern und an der Privatklinik Linde in Biel. Treten neben der Krebserkrankung zusätzlich psychiatrische Störungen auf (beispielsweise eine Depression), ist eine stationäre Behandlung, wie sie die Privatklinik Wyss in Münchenbuchsee anbietet, empfehlenswert. Für weitere Informationen wenden Sie sich an 031 868 33 33 oder info@privatklinik-wyss.ch

Krankhaftes Übergewicht (Adipositas) – ein Fall für die Psychotherapie?

Essen stillt nicht nur den körperlichen Hunger, sondern kann daneben vielfältige seelische Bedürfnisse befriedigen. Die leichte und unbegrenzte Verfügbarkeit von Essen in unserer Gesellschaft führt dazu, dass sich bei Unlust, Anspannung und Trauer der Griff zur Schokolade als einfache und schnelle Strategie anbietet. Alternative – oftmals anstrengendere und langwierigere – Arten der Bedürfnisbefriedigung (z.B. bei einer guten Freundin Trost und Rat zu suchen oder sich bei körperlicher Aktivität zu entspannen) treten in den Hintergrund. Essen als Ersatzbefriedigung oder zur Regulation von negativen Gefühlen kennt fast jeder. Zu einer Gefahr für die körperliche Gesundheit wird die Verhaltensweise dann, wenn sie zu einem Gewichtsanstieg führt. Das Übergewicht belastet in der Folge meist auch die seelische Gesundheit, weil sich die betroffene Person in ihrem Körper unwohl und in ihrer Beweglichkeit eingeschränkt fühlt. Zudem geht mit Übergewicht oft soziale und berufliche Benachteiligung einher. Daraus kann sich ein Teufelskreis von Übergewicht, Unwohlsein, Essen gegen das Unwohlsein und noch mehr Übergewicht entwickeln. Trostessen, Frustessen oder Belohnungsessen hat seine Wurzeln meist in der Kindheit, wobei der Umgang der Familie mit Nahrung einen prägenden Einfluss hat. Im weiteren Leben kann sich das ungünstige Essverhalten zu einem hartnäckigen Muster verfestigen. Dieses kommt besonders dann zum Tragen, wenn die betroffene Person Belastungen ausgesetzt ist und es ihr nicht gelingt, alternative Möglichkeiten zur Befriedigung ihrer Bedürfnisse, zur Selbstfürsorge oder zur Regulation ihrer negativen Gefühle zu entwickeln. Im Rahmen einer psychotherapeutischen Behandlung geht es in erster Linie darum, die Zusammenhänge zwischen Seele und Essverhalten zu verstehen. Aus diesem Verständnis heraus werden Möglichkeiten gesucht und eingeübt, das problematische Essverhalten besser zu kontrollieren. Ergänzend dazu werden Alternativen zum Umgang mit negativen Gefühlen entwickelt und die Selbstfürsorge gefördert. Auf diese Weise gelingt es, festgefahrene Verhaltensmuster zu verändern und aus dem Teufelskreis auszubrechen.

Therapiemöglichkeiten für Menschen mit Übergewicht

Bereits vor mehreren Jahren hat die Privatklinik Wyss ein neuartiges Therapieprogramm für Patientinnen und Patienten mit Übergewicht bei psychischen Erkrankungen entwickelt. Dank systematischer Weiterentwicklung und Ausdifferenzierung stehen den Betroffenen heute verschiedene Therapiemöglichkeiten zur Verfügung. Die Klinik bietet eine stationäre integrierte Behandlung und ambulante Einzeltherapie an sowie zwei spezifische ambulante Gruppenprogramme:

«No body is perfect» für Patientinnen und Patienten mit Übergewicht bei psychischen Erkrankungen.

> Ambulanter Dienst der Privatklinik Wyss am Hirslanden Salem-Spital in Bern, Tel. 031 337 80 60 und an der Privatklinik Linde in Biel, Tel. 032 365 96 70

«Übergewicht operiert – alles perfekt?»

für Patientinnen und Patienten, die einen chirurgischen Eingriff hinter sich haben.

> Ambulanter Dienst der Privatklinik Wyss am Hirslanden Salem-Spital in Bern, Tel. 031 337 80 60

«Auf den Körper hören und die Gedanken fliessen lassen»

Geschichte einer Patientin

Ein wunderschöner Herbsttag. Ich sitze am Frühstückstisch und bemerke zufällig eine grosse Verhärtung in der Brust. Panik kommt auf. Was ist das? Ist es, wovon schon so viel gesprochen wurde – Brustkrebs? Telefon an die Frauenärztin, Biopsie. Körperliche Leere, alle Gedanken kreisen um den Tod. Keine Zukunft mehr. Flucht. Ich muss die gewohnte Umgebung verlassen. Fort an einen Ort, wo ich immer glücklich war: ans Wasser. Wasser fliesst und bedeutet Leben. Innerer Kampf – annehmen oder aufgeben? Nach der ärztlichen Besprechung hat die Erkrankung definitiv einen Namen erhalten und ich weiss: Jetzt kannst du gegen etwas ankämpfen. Eine grosse Hilfe sind mein Partner und meine Töchter, die nicht in Verzweiflung versinken, sondern mir Zuversicht geben. Wir schaffen das! Auf die Operation werde ich sehr gut vorbereitet. Das ganze Team vermittelt mir grosses Vertrauen. Später folgt die Chemotherapie. Als meine Haare auszufallen drohen, entscheide ich mich, sie abzuschneiden. Meine Perücke trage ich mit Stolz. Sie gehört zu mir; meine Mütze gegen die Kälte und meine Tarnkappe. Ich habe noch nie so viele Komplimente für meine Frisur erhalten. So muss ich auch nicht von meiner Erkrankung erzählen, wenn mir nicht danach zu Mute ist. Meine erste Chemotherapie ist ein Horrorszenario. Nach einem guten Start bemerke ich am dritten Tag, dass ich keine Kontrolle über meinen Körper mehr habe. Verzweiflung, Depression. Ich will nicht mehr weitermachen. Ich sehe keinen Sinn, so zu leiden und muss notfallmässig ins Spital. Der Arzt gibt mir Zuversicht, dass nach dem dritten Tag eine Besserung eintreten wird. Auch habe ich das grosse Glück, einen psychoonkologischen Dienst in Anspruch nehmen zu können. Dank dieser Unterstützung ist es mir möglich, wieder Hoffnung und positive Gedanken zu fassen; mir wird bewusst, dass ich Hilfe erhalte. Ich bemerke bald, dass meine Stärke zurückkehrt. Ein kleiner Spaziergang mit meinem Partner abends gibt mir Kraft. Am Ende jeder Chemo wähle ich ein positives Ziel. Inzwischen habe ich mich fast schon angefreundet mit der Chemo und all ihren möglichen und unmöglichen Nebenwirkungen oder ich habe mich zumindest mit ihr arrangiert. Es ist für mich wichtig geworden, auf meinen Körper zu hören, keine Staumauern zu bauen, Gedanken fliessen zu lassen – wie Wasser.